Foto: Jeff Eaton (CC BY-SA 2.0)
Foto: Jeff Eaton (CC BY-SA 2.0)

Am Donnerstag, dem 22. Februar 2018, waren wieder Zahlenfestspiele für Medieninteressierte in Österreich. Die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) veröffentlichte die Auflagenzahlen österreichischer Printpublikation für das Jahr 2017.

Die ÖAK gilt – im Gegensatz zur Medienanalyse (MA) – als harte Währung in der Printbranche. Nur, was tatsächlich gegen Bezahlung über den Trafikantentisch wandert bzw. als Abo von den Kolporteuren geliefert wird, scheint in der ÖAK auf.

Die MA hingegen, deren Ergebnisse vorwiegend auf Umfragen basieren, ist nicht arm an Kritikern:

Zu den Zahlen: Bei den Tageszeitungen unangefochten in Führung liegt die “Kronen Zeitung” mit 726.329  verkauften Exemplaren  im 2. Halbjahr 2017. Mit Respektabstand folgt die “Kleine Zeitung” mit 280.901 verkauften Exemplaren.

Verkaufte Auflage österreichischer Tageszeitungen (Wochenschnitt Mo-Sa) im 2. Halbjahr 2017:

Kronen Zeitung 726.329
KleineZeitung 280.901
Kurier 124.554
OÖ Nachrichten 102.389
Tiroler Tageszeitung 80.299
Die Presse 68.116
Salzburger Nachrichten 67.065
Vorarlberger Nachrichten 60.163
Der Standard 57.532

 

Im Vergleich zum 2. Halbjahr 2016 hat der “Standard” mit 6,9 Prozent am meisten verloren, gefolgt vom “Kurier” mit rund 5 Prozent. “Die Presse”, “Kleine Zeitung” und “Salzburger Nachrichten” konnten hingegen leicht gewinnen.

Medienlinks
Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr: Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/6Fm1S/1/

Blutbad

Längerfristige Vergleiche sind zwar interessant, aber in der ÖAK schwierig, weil sich die Berechnungsart über einen längeren Zeitraum verändert hat. Vergleicht man dessen ungeachtet den Jahresschnitt der verkauften Tageszeitungen im Jahr 2017 mit dem Jahresschnitt 2013, also vor vier Jahren, wird ein regelrechtes Blutbad bei den Auflagen ersichtlich:

Verkaufte Auflage im 4-Jahres-Vergleich:

Jahresschnitt 2017 Jahresschnitt 2013
Kronen Zeitung 732.220 800.031
KleineZeitung 280.372 279.316
Kurier 126.267 153.426
OÖ Nachrichten 103.736 106.028
Tiroler Tageszeitung 81.047 84.950
Die Presse 68.001 70.840
Salzburger Nachrichten 67.245 67.701
Vorarlberger Nachrichten 60.327 60.052
Der Standard 59.200 67.604

 

Folgt man diesen Zahlen hat der “Kurier” mehr als 15 Prozent, der “Standard” rund 12 Prozent, die “Kronen Zeitung” rund 9 Prozent, die “Tiroler Tageszeitung” rund 5 Prozent, “Die Presse” rund 4 Prozent und die “Oberösterreichischen Nachrichten” rund 2 Prozent ihrer verkauften Auflage eingebüßt. Wie bereits erklärt, statistisch nicht ganz korrekt, weil die Zahlen aufgrund von Mess- und Methodenänderung in der Zählung nicht gänzlich vergleichbar sind.

Einzig “Kleine Zeitung” und “Vorarlberger Nachrichten” blieben in diesem Zeitraum stabil. Bei der “Kleinen Zeitung” ist die hohe Zahl an e-Paper-Abos auffallend: Mehr als 20.000 Kunden lesen das e-paper der Grazer Regionalzeitung, womit die “Kleine Zeitung” der Marktführer in diesem Segment ist. Zum Vergleich: Die deutlich größere “Kronen Zeitung” verkauft im Schnitt 15.000 e-paper.

Abos, Abos, Abos

Wenn die ÖAK die harte Währung der Branche ist, dann sind Abonnements die Goldreserven jeder Tageszeitung: Wer einmal ein Abo abschließt, bleibt in der Regel treuer Abonnent – oft bis ans Lebensende und somit sichere Einnahmequelle für die Verlage.

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Quelle:ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr: Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/PyyWP/1/

Ungekrönter Abo-Kaiser bleibt die “Kleinen Zeitung”: 96 Prozent ihrer verkauften Auflage sind Abos. Schlusslicht ist der “Kurier” der “nur” 80 Prozent seiner verkauften Auflage über Abos vertreibt.

Heiß umkämpftes Wochenende

Zum Abschied ein Blick aufs heiß umkämpfte Wochenende. An keinem Tag der Arbeitswoche werden so viele Zeitungen verkauft wie am Samstag und Sonntag. Auch hier liegt die “Kronen Zeitung” klar in Führung:

Verkaufte Auflage (Samstagsausgaben) im 2. Halbjahr 2017:

Kronen Zeitung 743.797
Kleine Zeitung 287.651
Kurier 146.506
OÖ Nachrichten 115.576
Tiroler Tageszeitung 85.190
Salzburger Nachrichten 81.822
Die Presse 80.568
Der Standard 68.837
Vorarlberger Nachrichten 64.320

 

Die Gewinn-/Verlustrechnung für die Samstagsausgaben ist hingegen unschön anzusehen:

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Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/5uAla/1/

Die Zahlen zu den Sonntagszeitungen wird allen Lesern, die brav 10-Cent-Münzen in die Entnahmetasche werfen, erspart.

Wie immer gilt: Alle Angaben ohne Gewähr. Aufgrund der großen Datenmenge ist es möglich, dass sich unabsichtlich Fehler eingeschlichen haben. Bei Entdecken eines solchen bitte Tweet an @BinDerStefan oder Mail an stbwien ÄT gmail DOT com.

Veröffentlicht am 22.2.2017
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