BBC-Umbau: Generaldirektor tritt zurück, Sender flüchtet aufs Land

“Beeb”, “Tantchen” – für die British Broadcasting Corporation (BBC) haben die Briten einige Spitznamen. Der Mutter aller öffentlich rechtlichen Sender stehen allerdings große Veränderungen bevor.  Zunächst gab Tony Hall, Generaldirektor des Unternehmens mit rund 20.000 Mitarbeitern, seinen Rücktritt im Sommer bekannt. Hintergrund dürfte auch der steigende Druck der Regierung von Boris Johnson auf Hall und sein Unternehmen sein.  Das Finanzierungsmodell der BBC, deren Budget sich zu zwei Drittel aus Gebühren speist, wurde scheibchenweise in Frage gestellt. Die Gebührendebatte ist jedoch nur vorgeschoben. Die Konservativen um Boris Johnson attackierten die BBC bereits wegen ihrer Bericht­erstattung über das Brexit-Referendum und warfen ihr Einseitigkeit vor. (mehr zum Thema Brexit auf BinDerStefan.at). Das Spiel ­wiederholte sich im britishcen Parlamentswahlkampf 2019, in dem sich Johnson weigerte, in einer BBC-Sendung interviewt zu werden. Aktuell boykottieren mehrere Minister seines Kabinetts Radiosendungen der Anstalt.

Hall hat mit seinem Rücktritt aber Johnson ein Schnäppchen geschlagen, denn durch seinen vorzeitigen Abschied raubt Hall der neuen ­Regierung die Möglichkeit, unbotmäßigen Einfluss auf die Auswahl seines Nachfolgers auszuüben.

Zuvor hat der Generaldirektor noch seine Pläne für eine weiter Dezentralisierung der Sendeanstalt vorgestellt. Bis 2027 sollen zwei Drittel aller BBC-Mitarbeiter außerhalb Londons arbeiten. Schon bisher ist London nur einer von mehreren Großstandorten der BBC. Alles über den großen Umbau beim “Tantchen” in diesem Artikel auf Horizont.at: BBC will raus aus London.