Britische Medien auf Expansionskurs in den USA

Britische Soldaten

Ruhig ist es geworden um derStandard.de. Der Deutschland-Ableger der österreichischen Tageszeitung “Der Standard” war als Testballon für den zehn Mal größeren deutschen Markt gedacht – allerdings ohne zusätzliche Redaktion oder großen finanziellen Aufwand.

Etwas anders gehen es die britische Medien an, die den Spruch über den großen Teich in die USA wagen. Mit rund 100 Mitarbeitern machte der Guardian US im vergangenen Geschäftsjahr im US-Markt rund 25 Millionen Euro Umsatz – und einen Gewinn. Unter anderem durch das mittlerweile erfolgreiche Spendenmodell (siehe dazu: Erfolgreich ohne Paywall).

Mehr als die Hälfte der einmaligen Spenden kommen inzwischen aus den USA. Damit ist der Guardian US eigenständig überlebensfähig und profitabel.

Auch das Boulevard-Blatt Daily Mail ist schon seit geraumer Zeit am US-Markt aktiv und beschäftigt fast doppelt so viele Mitarbeiter wie der Guardian in den USA.

Anfang Jänner wagte sich nun mit der ‘Sun’ das nächste britische Blatt über den Atlantik.

Vorerst allerdings nur zaghaft: Erst zwölf Mitarbeiter arbeiten in der US-Redaktion in New York. Mehr zur Expansion der Briten im Horizont-Artikel: “Die Briten kommen! ‘The Sun’ expandiert in die USA”

BBC-Umbau: Generaldirektor tritt zurück, Sender flüchtet aufs Land

BBC Scotland in Glasgow

“Beeb”, “Tantchen” – für die British Broadcasting Corporation (BBC) haben die Briten einige Spitznamen. Der Mutter aller öffentlich rechtlichen Sender stehen allerdings große Veränderungen bevor.  Zunächst gab Tony Hall, Generaldirektor des Unternehmens mit rund 20.000 Mitarbeitern, seinen Rücktritt im Sommer bekannt. Hintergrund dürfte auch der steigende Druck der Regierung von Boris Johnson auf Hall und sein Unternehmen sein.  Das Finanzierungsmodell der BBC, deren Budget sich zu zwei Drittel aus Gebühren speist, wurde scheibchenweise in Frage gestellt. Die Gebührendebatte ist jedoch nur vorgeschoben. Die Konservativen um Boris Johnson attackierten die BBC bereits wegen ihrer Bericht­erstattung über das Brexit-Referendum und warfen ihr Einseitigkeit vor. (mehr zum Thema Brexit auf BinDerStefan.at). Das Spiel ­wiederholte sich im britishcen Parlamentswahlkampf 2019, in dem sich Johnson weigerte, in einer BBC-Sendung interviewt zu werden. Aktuell boykottieren mehrere Minister seines Kabinetts Radiosendungen der Anstalt.

Hall hat mit seinem Rücktritt aber Johnson ein Schnäppchen geschlagen, denn durch seinen vorzeitigen Abschied raubt Hall der neuen ­Regierung die Möglichkeit, unbotmäßigen Einfluss auf die Auswahl seines Nachfolgers auszuüben.

Zuvor hat der Generaldirektor noch seine Pläne für eine weiter Dezentralisierung der Sendeanstalt vorgestellt. Bis 2027 sollen zwei Drittel aller BBC-Mitarbeiter außerhalb Londons arbeiten. Schon bisher ist London nur einer von mehreren Großstandorten der BBC. Alles über den großen Umbau beim “Tantchen” in diesem Artikel auf Horizont.at: BBC will raus aus London. 

Online-Zugriffe im Dezember: Neue Sheriffs in den Top-5

Sheriff Foto: Flickr/the_jetboy (CC BY 2.0) https://www.flickr.com/photos/biplex/9598334566/in/photolist-fCaYt1-2baSgk3-nMR2Np-j3eYpq-fdCMeC-iVvTto-p8AvDq-5ejdhH-az3EPj-jgukHm-iVy8H3-fszzi3-252GW4k-fscv6v-4uaqGB-QSFrvm-byRRRk-c6FSsu-6SicVz-29bNfkY-oZW9Na-esAk3Y-nmr6JW-f4Ezcx-5M4cDX-kPEK3g-mNJPBr-252tPa7-k2FMY1-bHr3qk-hFNmj-fbUk91-f4EBMD-iVwrmS-f4UBMQ-3ogQSw-eN5adj-eB4oY-6Ta3tC-4jJw2X-W7t6mW-oGjBmm-dJDGZQ-jgsr72-f95Y26-iVwnxQ-dMchz8-k2DL1B-az32zo-f95XZ8

Zum Jahresende erschütterte ein kleines Erdbeben das Ranking der Österreichischen Webanalyse (ÖWA). Wie jeden Monat, veröffentlichte sie auch im Jänner die Zugriffszahlen österreichischer Onlineportale, aufgeschlüsselt in Unique Clients*, also die Zahl der Endgeräte, die im Dezember auf eine Online-Angebot zugegriffen haben, in Visits**, also Besuche auf ein Online-Angebot, Usetime, Page Impressions (aka Klicks) und anderer Parameter.

Dachangebote

Dieses Ranking sah gemessen nach Unique Clients über Jahre gleich aus: ORF.at unangefochten in Führung, gefolgt vom Dachangebot des Styria-Verlagshauses (u.a. diePresse.com, kleineZeitung.at, etc.) und dahinter das Dachangebot des “Standard”.

Im Dezember 2018 änderte sich das gewaltig, gleich zwei neue Sheriffs sind in den Top-5: Das Dachangebot der Gratiszeitung “heute” gewann ebenso zwei Plätze wie das Dachangebot des “Kurier” – beide matchen sich um Platz 4 nach Unique Clients. Krone.at konnte sich indes auf Platz 3 einnisten, nachdem es im November bei den Unique Clients etwas geschwächelt hat.

Angebot Unique Clients
Rangveränderung
ORF.at 9.825.748 UC +/- 0
styria digital one 9.143.138 UC +/- 0
krone.at 5.888.663 UC +1
heute.at 5.587.282 UC +2
KURIER 5.524.764 UC +2
derstandard.at Network 5.461.047 UC -3
oe24-Netzwerk 5.220.066 UC -2
news networld 3.278.364 UC +/- 0
Regionalmedien Austria 2.978.451 UC +1
Seven One Interactive 2.792.487 UC -1

 

Richtiggehend langweilig sieht es im Vergleich dazu bei den Visits** aus. ORF.at führt vor krone.at und Styria Digital One.

Dachangebot Visits
Rangveränderung
ORF.at 81.768.856 Visits +/- 0
krone.at 36.580.460 Visits +/- 0
styria digital one 32.263.670 Visits +/- 0
derstandard.at Network 26.102.934 Visits +/- 0
oe24-Netzwerk 17.642.947 Visits +/- 0
KURIER 15.805.746 Visits +/- 0
heute.at 15.165.739 Visits +/- 0
RussMediaPortale 11.590.046 Visits neu
news networld 8.546.953 Visits -1
Seven One Interactive 8.240.724 Visits -1

Einzelangebote

Bei den Einzelangeboten führt gemessen nach Unique Clients ORF.at weiterhin mit großem Vorsprung vor krone.at, die sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Rang verbessern konnte und derStandard.at überholte.

Einzelangebot Unique Clients
Rangveränderung
orf.at 8.946.089 UC +/-0
krone.at 5.888.663 UC +1
derstandard.at 4.676.147 UC -1
kurier.at 4.613.058 UC  +/- 0
oe24.at 4.354.999 UC  +/- 0
kleinezeitung.at 3.139.140 UC +1
heute.at 3.047.932 UC +2
meinbezirk.at 2.686.468 UC  +/- 0
nachrichten.at 2.261.242 UC +1
tt.com 2.098.918 UC +1

 

Im Sommer stellte die ÖWA ihre Messmethode um. Seither – so betont die ÖWA – sind die Ergebnisse nicht direkt mit jenen des Vorjahres vergleichbar. Würde man es dennoch machen, sähe die – statistisch nicht korrekte – Gewinn- und Verlustrechnung wie folgt aus: Wie schon in den Vormonaten konnten auch im Dezember Regionalportale sensationelle Zuwachsraten bei den Unique Clients verzeichnen, tt.com, das Online-Angebot der Tiroler Tageszeitung, konnte um fast 80 Prozent zulegen. Leichte Verluste bei ORF.at, stärkere Verluste für derStandard.at.

Wiederum langweilig geht es bei den Visits der Einzelangebote zu. tt.com konnte mit gigantischen Zuwachsraten in die Top-10 aufsteigen, heute.at konnte sich um zwei Ränge verbessern. Weiter in Führung: orf.at, krone.at, derStandard.at.

Einzelangebot Visits
Rangveränderung
orf.at 64.303.654 Visits +/- 0
krone.at 36.580.460 Visits +/- 0
derstandard.at 24.664.675 Visits +/- 0
oe24.at 13.426.737 Visits +/- 0
kurier.at 12.623.898 Visits +/- 0
kleinezeitung.at 12.382.375 Visits +/- 0
heute.at 10.572.766 Visits +2
vol.at 8.477.381 Visits +/- 0
nachrichten.at 8.032.273 Visits +1
tt.com 7.930.214 Visits +1

 

Bei den Visits ein ähnliches Bild wie bei den Unique Clients: Starke Zugewinne für die Regionalportale tt.com und nachrichten.at (Oberösterreichische Nachrichten), Verluste für derStandard.at:

Zugriffszahlen österreichischer Online-Portale
Quelle: ÖWA. Alle Angaben ohne Gewähr.

Mehr Zugriffsstatistiken auf medien.BinDerStefan.at, mehr Geschichten auf BinDerStefan.at. Alle Angaben ohne Gewähr. Don’t shoot the messenger.

Wie immer gilt: Aufgrund der großen Datenmenge ist es möglich, dass sich unabsichtlich Fehler eingeschlichen haben. Bei Entdecken eines solchen bitte Tweet an @BinDerStefan oder Mail an stbwien ÄT gmail DOT com.


*Unique Clients laut ÖWA: “Anzahl der Endgeräte, von denen auf eine Website zugegriffen wird. Die Unique Clients werden über permanente Cookies sowie weitere Identifikationsmerkmale ermittelt.”

**Visits laut ÖWA: “Zahl der zusammenhängenden Zugriffe der User auf das Online-Angebot eines Anbieters. Neu- und Mehrfachkontakte können nicht unterschieden werden, d.h. ein Visit kann daher ein oder mehrere Page Impressions umfassen. Der Timeout beim Visit beträgt 30 Minuten. Wenn 30 Minuten lang keine Page Impression erzeugt wurde, wird bei der nächsten Page Impression ein neuer Visit generiert.”

Autor: Stefan Binder.
Veröffentlicht am 10.1.2019
Titelbild:the_jetboykr(CC BY 2.0)